50-Plus-WG auf Usedom

Wie alles entstand - von der Idee bis zur Realisation. Ein langer Weg, der sich gelohnt hat:

Die Idee

Im Alter nicht alleine und nicht auf die Kinder angewiesen zu sein, zusammen mit Gleichgesinnten zu leben und sich in diesem Kreis gegenseitig zu unterstützen – das war unser grundlegender Gedanke für eine Alten-Wohngemeinschaft. Die Wohn- und Lebensqualität soll hierdurch ebenso wenig eingeschränkt werden wie der Wohnkomfort, d.h. keine gemeinsame Bad- und Küchennutzung, wie in Studentenzeiten üblich. Diese Vision entwickelte sich in einem Alter, in dem man mitten im Leben steht und man an ein Leben im Alter noch gar nicht so recht denken und auseinander setzen will. In einem Gespräch mit Freunden stellten wir im Sommer 2005 fest, dass wir uns unabhängig voneinander mit derselben Idee beschäftigt haben und dieselben Vorstellungen vom Leben im Alter haben. Auch, dass es noch mehr Leute im Bekanntenkreis und im gleichen Alter mit ähnlichen Ideen und Vorstellungen gibt.

Wir wollten auf dem Lande wohnen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln Berlin in einer Stunde erreichen können, um auf das Großstadtleben, das Kulturangebot und all den Möglichkeiten, die eine Großstadt zu bieten hat, nicht verzichten zu müssen. 
Wenn sowohl wir als auch gleichgesinnte Partner diese Vision jetzt schon haben, warum dann nicht schon jetzt mit der Umsetzung, der Realisierung beginnen. Die Immobilienpreise in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind niedrig und so haben wir nach geeigneten Objekten nördlich von Berlin gesucht, möglichst nahe an der Mecklenburger Seenplatte, am Wasser.
Noch in 2005 haben wir mit vielen Bekannten, die an einer Alten-WG Interesse hatten und alle um die 50 Jahre jung waren, einige Objekte besichtigt: u.a. einen ehemaligen Bahnhof in einsamer Lage, ein feudales Herrenhaus bei Gransee und auch Wassergrundstücke. Schnell mussten wir feststellen, dass die Vorstellungen vom geeigneten Objekt weit auseinander klafften, so dass letztendlich als ernsthafte Interessenten die beiden Paare übrig geblieben sind, mit denen im Sommer 2005 alles begann.

Im Januar 2006 machten wir uns erneut auf die Suche, sind mit einem Immobilienmakler an 2 Tagen um die 700 Kilometer zwischen Berlin und Ostsee gefahren und haben dabei 7 oder 8 Objekte besichtigt. Das letzte Objekt erreichten wir nur wenige Minuten vor der Dämmerung: das Exposé war eher abweisend und in der Prioritätenliste entsprechend ganz hinten angesiedelt, der Kaufpreis zwar günstig, aber mit etwas Phantasie ... mal sehen – ansehen kostet ja nichts. Obwohl dieses Objekt keine unserer Kriterien erfüllt, haben wir uns alle gleich auf Anhieb in dieses Objekt verliebt und hatten Gestaltungsmöglichkeiten des unbewohnten Anwesens direkt vor Augen. Die Entscheidung war gefallen. 

Ein paar Wochen später haben wir die Insel Usedom, unsere potentielle neue Heimat etwas genauer an einem verlängertem Wochenende betrachtet und das Haus ein zweites Mal, zusammen mit Architekten und Sachverständigen begutachtet.

Die Menschen und die Natur haben uns derart in den Bann gezogen, dass wir uns leicht in unsere neue Heimat verlieben konnten.

So haben wir das Anwesen erworben und einen GbR-Vertrag geschlossen, der für unsere zukünftige 50-Plus-WG den formalen Rahmen legt.

 

Die Entwicklung

Mit dem Erwerb des Anwesens haben wir uns eine Lebensaufgabe geschaffen – dies wurde uns bei der Bewirtschaftung des Anwesens bewusst. Ein Grundstück mit ca. 8.000 qm Grünfläche bedarf einiger Pflege, dessen Aufwand wir unterschätzt hatten.

Der Aufwand war in den ersten Jahren besonders hoch, da das Grundstück verwildert war, die 50 Jahre alten Obstbäume über viele Jahre nicht gepflegt wurden und mehrere Container Müll aus diversen Ecken des Grundstücks eingesammelt wurden, die man anfangs, im hohem Gras nicht so recht realisiert und wahrgenommen hat.

Die ersten Jahre waren zudem durch die Bau- und Sanierungsarbeiten geprägt, wobei die Anlage des Schwimmteichs am meisten Kraft und Schweiß abverlangte.

Die Entwicklung des Projektes lässt sich mit folgender Chronologie verfolgen:  

 

Jahr

Ereignis

Erläuterungen

2005

Suche nach Gleichgesinnten für die Senioren-WG und nach geeigneten Objekten.

Die Gruppe der Interessenten ist kurzzeitig von 4 auf ca. 12 angewachsen; jedoch sind die Interessenten auch alle wieder abgesprungen. Insgesamt haben wir um die 30 Objekte besichtigt.

2006

Ein altes Bauernhaus auf Usedom erworben.

Gründung der Senioren-WG (GbR-Vertrag).

Sanierung des ersten von zwei Gebäuden.

Sanierung eines alten Schuppens.

Das sanierte Haus besteht aus 3 Wohnungen mit insgesamt ca. 220 qm Wfl. Darunter befindet sich auch der zukünftige Gemeinschaftsraum für die Senioren-WG mit ca. 120 qm.

2007

Sanierung des ersten Gebäudes abgeschlossen.

Anlage eines Schwimmteichs.

Zahlen zum Schwimmteich:

Grundfläche:       ca. 20 x 22 m

Wasservolumen: ca. 425.000 Ltr.

Verarbeitetes Material:

Foliengröße:   > 500 qm, ca. 1,5 to.

Kieselsteine:   ca. 40 to.

Feldsteine:      ca. 45 to.

Pflanzen:        > 1.000

2009

Sanierung des Bauernhauses begonnen.


Förderpreis des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Programm "Wohnen für (Mehr)Generationen – Gemeinschaft stärken, Quartier beleben" erhalten.

Sanierung erfolgt behindertengerecht.

2010

 

Sanierung des Bauernhauses.

Neubau des Atelier- und Garagenhauses (Praxisgebäude für Naturheilkunde und Yoga).

Bauernhaus: 2 Wohnungen, ca. 350 qm

Neubau: 75 qm Wfl. (für Naturheilpraxis und Yoga), Doppelgarage

2011

Fertigstellung des Gebäudes und Einzug

 

2013

Errichtung zweier Holzunterstände (Kaminholz)

Errichtung eines Saunahauses

Hof mit Kopfsteinpflaster und Beleuchtung angelegt

Jetzt sind wir auch endlich eine „echte“ 50-Plus-WG, da sich inzwischen weitere Mitbewohner dem Projekt angeschlossen haben und die Initiatoren sich in den Vorruhestand verabschieden und vollständig nach Usedom ziehen können.

2015

Ausbau eines Bauwagens als Werkstatt und Gästezimmer

Errichtung eines Schuppens für Gartenmöbel und Fahrräder

 

 

2016

Bau eines Holzbackofens und Neubau eines größeren Hühnerstalls

  

2017

Überführung des Anwesens in eine Stiftung zur langfristigen Sicherung der Projektidee und für ein Engagement im Naturschutz

  

 

Das Projekt „50-Plus-WG“ wird durch ein Filmprojekt begleitet – in Form einer Langzeitstudie. Schließlich wollen wir andere Gleichgesinnte inspirieren und Anregungen geben. In unserer Gründungsphase haben wir mit einigen Senioren-WG’s und Mehrgenerationenhäusern Kontakt aufgenommen und viele nützliche Tipps in einem freundlichen und familiären Rahmen erhalten. So möchten wir auch unsere Erfahrungen neuen Gruppen, die sich zu Senioren-WG’s zusammenfinden wollen oder bereits zusammengefunden haben, zur Verfügung stellen.

Wir haben für uns festgestellt, dass wir keinesfalls zu früh begonnen haben, unsere Vision der 50-Plus-WG in die Tat umzusetzen. So kann unser Projekt wachsen und sich festigen, bis wir wirklich aufeinander angewiesen sein werden. Auch die Verbindungen zur neuen Umgebung können sich besser festigen, wenn man etwas mehr Vorlauf- bzw. Übergangszeit zur Verfügung hat.

 

Die Finanzierung

Die Finanzierung war trotz gesichertem Einkommen, trotz vorhandenem Eigenkapital und ausreichend Sicherheiten der schwierigste und langwierigste Teil des Projektes, den wir alle unterschätzt haben, obwohl wir einen „Banker“ in der 50-Plus-WG haben und nicht unerfahren in diesen Belangen sind. Schnell erhielten wir von den Banken höfliche, dennoch ablehnende Antworten, die ein deutliches Desinteresse signalisierten, sobald Wörter in den Finanzierungsanfragen gefallen sind, wie z.B. Sanierung, ehemaliges Bauernhaus, Dorflage bzw. ländliche Lage. Unverständlich und schwer nachzuvollziehen, wenn sich eine Finanzierungsanfrage auf weniger als 50% des Investitionsvolumens beläuft und die Bank eine Finanzierung aufgrund fehlender Werthaltigkeit ablehnt.

Letztendlich hat ein Finanzberater aufgrund seiner guten Kontakte eine verbindliche Finanzierungszusage innerhalb von 2 Tagen von einer kooperierenden Bank erhalten – zu guten Konditionen.

Sofern Sie vor der Überlegung stehen, eine Senioren-WG zu gründen oder ein ähnliches Projekt zu verfolgen, können wir nur empfehlen, sich frühzeitig um eine Finanzierung zu kümmern.

Perspektive Usedom